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Aufhören und Anfangen

Wir haben ja jetzt schon wieder Januar , also sogar den 06.Januar und Kulturpessimisten sagen an der Stelle gern : Was solls:  das Jahr ist schon wieder so gut wie vorbei  ( Dann denk ich mir immer. Mit dieser Sichtweise kann man sich eigentlich gleich ins Grab legen)  Andere wiederum sind voller Tatendrang und haben sich einiges vorgenommen oder sie haben sich wenigstens vorgenommen, dass sie sich was vorgenommen haben. Aufhören mit Rauchen zum Beispiel oder aufhören mit Kiffen, aufhören mit zu viel Süßigkeiten, aufhören  am Küchentisch zu pfurzen, aufhören Omas Anrufe zu ignorieren oder gedankenlosen Quark auf Facebook zu posten.  Aber warum das alles eigentlich immer genau ab dem Neujahrstag. Man könnte sich doch auch mal zum Beispiel vornehmen :                .  Ab dem  27 September 14:31 esse ich keine Tomaten mehr. Ich lasse es dann einfach sein. – Schluss-Aus.  Die Saison ist vorbei . Die Tomaten die es dann noch gibt sind vermutlich sowieso chemisch überzüchtet oder vielleicht sogar genmanipuliert. Der ganze Ketchup auf dem Pommes tut es ja auch und  notfalls gibt es immer noch Tomatensaft. Man darf dann natürlich den Termin nicht verpassen. Es ist ärgerlich , wenn man am 06. Oktober 17:41 doch nochmal in eine Tomate beißt. Da passiert zwar nichts Schlimmes , aber man hat das selbst gesteckte Ziel verfehlt.  Zugegenermaßen weißt ein ungerade Datum wie der 27.September den strukturellen Nachteil auf  leicht in Vergessenheit zu geraten. Deswegen könnte man als Kompromiss quasi ja ein rundes Datum mitten im Jahr als Startpunkt nehmen.  Zum Beispiel ab dem 01.August könnte man aufhören zu hoffen, dass es doch noch richtig Sommer werden könnte.  So erspart man sich eine der zentralen Enttäuschungen des Jahres und sollte es doch noch traumhaftes Badewetter geben,  ist die Freude umso größer…..wenn man gerade frei hat.   

 Und wieso eigentlich immer aufhören , man kann doch auch mal was anfangen. Bis zum 30. November werde ich beginnen, meine Küche zu putzen, wäre  doch zum Beispiel ein vielversprechender Ansatz..  Oder bis zum 30. Mai werde ich meine Steuererklärung NICHT abgegeben haben .  Ziele und Vorhaben sollten immer auch realistisch sein, behaupten schließlich Psychologen und Erfolgstrainer..  Aus populär-wissenschaftlicher Sicht sollten  Ziele  nicht  nur  realistisch und einigermaßen anspruchsvoll sein, sondern auch klar benannt werden können, überprüfbar sein und einen zeitlichen Rahmen haben. Das ist ziemlich viel auf einmal, brachte mich aber auf die entscheidende Idee mir ein Erfolgserlebnis zu verschaffen.  Am Neujahrstag nahm ich mir trotz leichter Übelkeit  vor: Bis zum  06. Januar werde ich wieder ein  Bier getrunken haben. Das war in Anbetracht der leichten Übelkeit am Neujahrstag durchaus ehrgeizig  trotzdem nicht unrealistisch , klar formuliert, überprüfbar  und hatte auch eine zeitliche Zielmarke… Und was soll ich sagen: Es hat geklappt  am 05. Januar war es bereits soweit. Ich nahm all meinen Mut zusammen, überwand meine vorläufige Alkoholallergie und trank in aller Öffentlichkeit unter Zeugen ein großes Bockbier ….Bockbier weil Bock drauf hatte.  Ein Versprechen aus der Neujahrsnacht wurde eingelöstt. Die Pflicht des Jahres ist abgehakt,  was ich mir vornahm ist erfüllt und jetzt habe ich Zeit für die wichtigen Dinge….ohne unter selbstgemachten Druck zu stehen.  

Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los : Wer auch immer sich was  Silvester vorgenommen hat  oder auch nicht  Das Jahr fängt gerade erst an …… und es kann im Grunde jeden Tag im Jahr neu anfangen…… wenn man es denn wirklich möchte.