ich war gar nicht betrunken
Die Gastgeberin einer WG Auflösungs – und Neugründungs- also einer Ein- , Aus- und Durchzugsparty gab sich bei meinen Erscheinen freundlich und etwas überrascht gleichzeitig: „Dass du dir das gemerkt hast, du warst wohl gar nicht betrunken“ begrüßte sie mich. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, wie Schaum, der sich auf dem Bierglas auflöst und das Getränk in klares Mineralwasser umwandelt. Ich bin an dem Abend an dem sie den Mut hatte, einen angetrunken wirkenden einzuladen, in Wirklichkeit gar nicht betrunken gewesen, freute ich mich. Das hatte ich mir nur eingebildet. Der viele Nebel auf dem Nachhauseweg war echt. Den hatte ich nicht einfach nur so gesehen. Ja das erklärte ja einiges. Nicht nur, dass ich Datum und Adresse der Party abzuspeichern und im richtigen Moment inhaltlich zu reproduzieren intellektuell ermöglicht habe. Die 3 km Länge des Fußwegs nach Hause hat sich in der Erinnerung auf 2 Minuten reduziert. So schnell kann man doch im Suff doch gar nicht sein. Die Schwelle an der Haustür, über die ich plötzlich stolperte, hätte ich doch in diesen Zustand auch gar nicht wahr nehmen können. Für das ganze Geld, das am nächsten Tag fehlte, habe ich mir bestimmt fünf oder sechs Döner geholt. Ich hatte aber auch einen Hunger, was wiederum die leichte Unpässlichkeit in der Magengegend plausibel erscheinen lässt. Und überhaupt: wer hat schon nach acht – neun Sterni einen Rausch. Ich jedenfalls war gar nicht betrunken. Dank ihrer gut gemeinten Vermutung, kann ich das jetzt ganz klar begründen.