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Die aufwertende Verabschiedung oder wie schön denn der Tag noch werden

 

Ist es nicht schön, wenn er schön ist so ein Tag ?  Ein Tag zwischen Sonnenauf und Sonnenuntergang  , zwischen zweimal schlafen , ein tagheller  - ein hellerlichter Abschnitt eines jeden Lebens , die sinnigste Einheit jeden Kalenders. Ein Tag den man nutzen oder  verschwenden kann oder beides. Obwohl ja ein verschwendeter Tag nicht unbedingt verschwendet ist, wenn man sich z.B. an den ganzen Tag erholt.  Aber das ist ein wieder anderes Thema, auf jeden Fall kann man davon ausgehen, dass der Tag dann wenigstens ein schöner ist und was kann es schöneres geben als so einen schönen Tag.  Schööön – und dann bekommt man sogar noch einen schönen Tag gewünscht. Dann wird es gewissermaßen immer noch schöner, denn schön oft hört man das  den schönen langen Tag lang.   

„Schönen Tag “ sagt als erstes die Bäckersfrau  früh morgens. Es schien wirklich nett gemeint, ich freute mich und wünschte selbiges zurück. „Schön Tach noch“  heißt es am Zeitungskiosk am S-Bahnhof , gut er geht ja immerhin noch ne Weile der Tag.  „ Schönen Tach noch, lässt sich auch der Motzverkäufer, nicht nehmen, auch wenn man nichts von ihm nimmt..  „Ihnen einen schönen Tag noch“  steigert sich sogar meine Obst und Gemüsehändlerin und das für gerade mal drei Äpfel und eine Gurke.  Wenn ich Raucher wär und jetzt nochmal in den Kiosk zurück müsste, weil ich Kippen vergessen hätte, bekäme ich gleich noch einen weiteren schönen Tag mitgereicht, den man dann qualmend in die Luft blasen könnte, was nicht schlimm  wäre, denn man bekommt ja fortlaufend weitere schöne Tage verbal zugestellt z. B. von der Abowerberin da drüben . Sie enttäuschte mich nicht , einen Tagesspiegel und einen „ schönen Tag noch“ , beides auf einmal.  

Die meisten schönen Tage gibt es offensichtlich da abzuholen, wo man selbst  Geld abgibt oder beim nächsten mal wieder  abgeben könnte.. Es scheint dabei kaum eine Rolle zu spielen , ob man  versalzene Pommes ersteht oder so tut als würde man sich für einen blinkende Neuwagen interessieren. Den schönen Tag gibt’s in fast  jeden Fall gratis dazu. Naja Imbissverkäufer sind wenigstens so intelligent zur Abwechslung  auch mal guten Appetit zu wünschen oder  – Lassen Sie es schmecken – zu sagen. Immerhin ist da ja gewissermaßen  auch eine Form sozialer Gerechtigkeit, nicht der Preis den man zu zahlen in der Lage ist entscheidet, sondern, dass man überhaupt was kauft, was man ja sowieso muss, ist  Zugangsvoraussetzung für den noch schönen und in der Summe immer noch schöner gewünschten Tag.                                                                                                                          Mist nur, wenn man gerade keine Zeit hat für den schönen Tag, weil man es gerade eilig hat oder der Tag ausnahmsweise nicht schön ist und man ihn sich trotz bester Wünsche nicht schön machen kann, weil man es eben gerade eilig hat.  Dann bekommt man ihn buchstäblich noch schnell hinterher geworfen. Man ist schon flotten Schrittes an der Tür und da …ah   da ist er wieder , es ist der  „und  schönen Tag noch“, der einen noch fix  an den Hinterkopf knallt.

Es war Montagnachmittag und ich hatte die Woche schon voll, also schon sieben schöne Tage an diesem Tag zusammengewünscht bekommen. So gesehen könnte wenigstens schon wieder Wochenende sein, als mir Peter seit langen mal wieder über dem Weg lief „ Hey Hallo Peter alles schick ?“  „Naja da meiste und bei dir ?“  „ Ja auch, wo kommst du denn um diese Zeit her ?“  „ Vom Kommunikationstraining ?“   „ Von was-  für einer Sportart ?“  „

Kommunikationstraining, ich hab ja jetzt nen Job und da muss ich sowas zur Einarbeitung schulen“ „ Und was lernt man da so ?  „ Naja Kunden ansprechen,  Kunden absprechen  … äh naja so Fragetechniken, Einwand begegnungen, aufwertende Verabschiedungen … „ aufwertende was?“ „ aufwertende Verabschiedung , so einen scheinbar netten Spruch hinterher, soll sich im Hinterkopf festhaken, dass der wieder kommt. “  „Komische Kunde, die du da verbreitest“ „ Komisch aber bezahlt, also ich muss jetzt wirklich  weiter …machs gut …schönen Tach noch“  „  Wie bitte  ? “ „ Lass es dir gut gehen“  „  Klar, du dir auch, ich dachte schon du, wolltest mich jetzt auch aufwertend verabschieden“  „ Wieso kaufst du neuerdings bei uns was ?“   „Hilfe“  „ Na also ich verschwinde jetzt  völlig wertfrei – bis später“   „ Ja Peter bis später“

Schwieriger und seltener wird die Entgegennahme von schönen Tagen an Tagen, die ohnehin als schöne Tage konzipiert sind, Sonn- und Feiertage z.B. ., viele der „ schönen Tag noch“  – Wünscher  haben einfach geschlossen. Man schläft z. B. aus, also richtig aus, so wie man ausschläft, wenn man in der Nacht davor ausgefeiert  und ausgetrunken hat, hat nichts zu essen im Haus, muss wegen  Brötchen bis zur Tanke laufen und bekommt  tatsächlich was zu hören:  ….“einen schönen Abend noch“  zu hören. „Aber ich habe noch nicht mal gefrühstückt“ wende ich ein.  „ Wird aber bald dunkel draußen, also einen schönen Abend noch“.  Da wurde mir klar, eigentlich wollte ich ja  auch nur einen schönen Tag haben.

PS: Etliche schöne Tage später traf ich Peter wieder „ Ich bin gerade wieder entlassen wurden“ berichtete er.  „Wieso ?“  „ Wegen Leistung …irgendwas ….angeblich, … aber menschlich bin ich einwandfrei, haben sie gesagt“   „ schwacher Trost ?“  „ Nee die haben mich aufwertend verabschiedet“  „Ist doch jetzt egal , wir machen uns erstmal einen schönen Tach oder Abend oder so“