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Hilfe ich bin in Dänemark or what the hell petty shell

„ Zu essen gibt es hier auch nichts“ erläuterte die Betreiberin der Pension Seeblick in Puttgarden auf der Insel Fehmarn kurz und treffend und meinte damit gleich den ganzen Ort. Kurz zuvor hatte ich nach einen Geldautomaten gefragt, den es in diesem Ort nicht mehr gibt, seit der an der Fähre nach Dänemark abgeschafft wurde. Mein restlicher Bargeldbestand deckte sich zufällig exakt mit dem Zimmerpreis für eine Übernachtung und Kartenzahlung des Zimmer war auch nicht möglich, was mich laut denken lies: „ Ja gut, dann kann ich mir eben nichts mehr zu essen kaufen“  Da war es tröstlich zu wissen, dass dies sowieso gegenstandslos war. Die Wirtin behielt Recht. Zumindest an diesem nasskalten Spätnachmittag Anfang Dezember schien jede gastronomische Regung im Dorf erloschen und heftige Regengüsse peitschten über die Küste. Und das bedeutete dummerweise auch und vor allen, dass es außer dem kühlen Regenwasser im Gesicht auch nichts zu trinken geben würde.  (Wieso ich überhaupt zu diesem  ungemütlichen Zeitpunkt und nicht an einem strahlenden Hochsommertag da an der Ostsee herumlief, ist wieder ein anderes Thema)        

 Mit etwas Resthoffnung lief ich zum Fährterminal der Scandlines , die hier auf der Strecke von Puttgarden hinüber ins dänische Rodby  den schönen Beinamen Vogelfluglinie trägt. Seitlich des Hafenterminals befand sich ein, etwa drei oder vier Etagen hoher schmuckloser Zweckbau, der sich aufgrund seiner Beleuchtung in der heraufziehenden Dunkelheit kaum zu übersehen war. Auf dem Parkplatz davor herrschte trotz des üblen Wetters Hochbetrieb. Die vielen Einkaufskorbschieber erinnerten an einen Supermarkt. Am Eingang stand was von Apenning Tiding, was ich sofort mit Appetit oder guten Appetit assoziierte. Die nach Uhrzeiten aussehenden Zahlen dazu desillusionierten mich  aber schnell. Möglicherweise waren das irgendwelche Öffnungszeiten in der Sprache des nördlichen Nachbarn.  Im Vorraum war ein Lageplan aufgehängt, der einen erstaunlichen Konsumtempel über vier Etagen schematisch beschrieb. Am Standortpunkt stand dick  „Du er her“ – hieß vermutlich: Sie sind hier. Das war eindeutig eher dänisch als deutsch. Alles war bei näheren hinsehen dänisch: jedes Hinweisschild, jeder Preis, die komplette Werbung. Über vier Etagen  Lebens- und hauptsächlich Genussmittel: Spirituosen, Weine, Biere, Alkopops  in maßlosen Mengen und zu, aus skandinavischer Sicht, vermutlich günstigen Preisen. Die Hauptübung schien darin zu bestehen, dass dänische Endverbraucher Tuborg und Carlsberg, also ihr eigenes Bier, palettenweise reimportierten. Deutschland als Steuerparadies für den gehobenen Alkoholverbrauch, darauf war ich noch nicht gekommen. Es kommt wohl auf die jeweilige Perspektive an. Eine Kleinigkeit zum gleich essen, gab es aber auch im Boardshop – so heißt diese Getränkekaufhaus, auch auf allen vier Etagen nicht. Zwar hätte ich auch eine Palette Tuborg Dosen mit Weihnachtsmannmotiv sicher mit Kartenzahlung  erstehen können, wollte mich aber den nordischen Trinkgewohnheiten nicht ganz so schnell anpassen. Vielleicht essen die ja alle auf der Fähre.                                                             

   „ Wie komm ich hier bitte wieder raus ?“ fragte ich einen der Getränkepalettenablader.  „Immer dem Pfeil entlang“ antwortete dieser zu meiner Überraschung nicht auf dänisch. Die Befolgung des Hinweises bedeutete aber auch das es ersteinmal zwei weitere Etagen hoch und dann erst wieder runter und hinaus ging. „ Tak for Besöget“ verabschiedete mich ein Schild. Das dänische Wort für danke Tak erinnerte mich an etwas. Ach ja Tak heißt auf polnisch Ja. Danke sagen die Dänen beim Einkauf hier, Ja sagen die Polen, wir sind noch billiger .Aber das ist wohl zu weit hergeholt..  

Die Fähre kostete bei 45 min Überfahrt  hin und rück ohne Fahrzeug gerade Sechs Euro, also für Dänen fast nichts. Tak, tak-  ja danke –  ich fahr einmal mit hin und her und betrachtete dies als eine Art Eintrittskarte für einen Restaurantbesuch. Das einzige Lokal was man in diesem Moment in Puttgarden betreten konnte war die „MS Schleswig Holstein“ auf der Vogelfluglinie.  Als erste trank ich einen heißen Tee.                                            In Rodby auf dänischer Seite war das Wetter noch schlechter, Graupel mischte sich in den heftiger werdenden sturmartigen Regen. Aber die Besichtigung der Insel Lolland  war ohnehin nicht eingeplant und außerdem hatte ich jetzt wirklich Hunger. Ich betrat ein geöffnete SB – Restaurant. Das Hühnerfrikassee , hier nur auf englisch als Creamed Chicken with rice or patty shells“ angepriesen, hatte es mir sofort angetan. Was aber waren „Patty Shells“ ? So weit reichten meine kulinarischen Englischkenntnisse wirklich nicht. Während es mir sonst fast ein wenig unangenehm ist, irgendwas auf Englisch ausnahmsweise nicht zu wissen, war mir das hier nicht peinlich. Ich fragte einen der Essensausteiler. „ Was bitte sind diese Patty Shells ?“ „ Daas ist hieer das Hühnerfrikassee mit Reis“ antwortete dieser in breiten norddeutsch.  „ Ja das sehe ich. Aber hier steht – Rice or Patty Shells, was sind dann die Patty Shells ?“ „Oaach die haben wir hinten. Wollen Sie eine Portion ?“ „ Schon , ich weiß aber immer noch nicht, was die Patty Shells sind“  Ein Kollege sprang ihn bei. „Daas sind die kleineen Dinger (er zeigte etwa die Form),  na diese …hinten haben wir die“ „Die haben wir hinten“ fiel auch dem ersten wieder ein. Ich bestellte vorsichtshalber die Hühnerspeise mit Reis. Die einfachen Küchenarbeiten werden offenbar hier noch von deutschen Personal erledigt. Was nicht schlimm ist, außer  für den Absatz von Patty Shells. Wie diese schmecken, weis ich bis heute nicht. Aber vielleicht bekomm ich das ja irgendwann einmal auf einer anderen Fähre heraus. Immerhin verlies ich die Gastro – Fähre gut gesättigt.    

Im Fährhafen Puttgarden sprang mir nochmal dänische Werbung ins Auge:   “en glaedelig jul og et godt nytar“ was ungefähr soviel heißt wie „ Glückliche Weihnachten und frohes neues Jahr“ und das lass ich einfach so stehen.